Nicht bei uns, nicht mit uns – bayerische Bezirke und Bayerischer Bezirketag gegen Antisemitismus

RESOLUTION DER VOLLVERSAMMLUNG 2026


Jüdisches Leben gehört seit mehr als 1.000 Jahren zu Bayern. Laut ersten archäologischen Hinweisen existierten Spuren jüdischer Präsenz auf dem Gebiet des heutigen Freistaats bereits in der Spätantike. Seitdem haben sich jüdische Kultur, Werte und Religion stets entwickelt und unsere Kultur und Traditionen wesentlich geprägt, um ein fester Bestandteil bayerischer Vergangenheit und auch Gegenwart zu werden. Das jüdische Leben war und ist in Bayern eine große Bereicherung für die Gesellschaft. Die bayerischen Bezirke und der Bayerische Bezirketag unterstützen durch verschiedene Projekte und Veranstaltungen die Erforschung, den Erhalt und die Entwicklung jüdischen Lebens in Bayern. In den letzten Jahren wurden verschiedene Projekte dank des Schulterschlusses zwischen Verwaltung und Politik durch den Bayerischen Bezirketag realisiert. Erwähnt seien hier die Resolution zur Erfassung der Inschriften auf jüdischen Grabmälern oder die Erforschung der Shoah.

Lange vor den jüngsten Ereignissen im Nahostkonflikt hat sich der Bayerische Bezirketag bereits im Jahr 2019, als erster Kommunaler Spitzenverband in Bayern, der Definition für Antisemitismus der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) angeschlossen. Im Nachhinein hat sich dies als kluge Entscheidung erwiesen, weil insbesondere der israelbezogene Antisemitismus seit 2023 ein ungeahntes Ausmaß erreicht hat. Angriffe auf Synagogen, jüdische Restaurants oder Privatwohnungen sind keine ‚legitime Kritik‘ an einem Staat.

Umso mehr beobachten die bayerischen Bezirke und der Bayerische Bezirketag mit größter Sorge die Entwicklungen im Nahen Osten seit dem verheerenden Angriff am 7. Oktober 2023, der auch ein Angriff auf jüdische Traditionen, jüdischen Glauben und Kultur war, weil an diesem Tag der jüdische Feiertag Simchat Torah und gleichzeitig Shabbat begangen wurden - auch hier bei uns in Bayern. Seit diesem Tag sind die Zahlen der begangenen Straftaten und der gemeldeten Vorfälle mit antisemitischem Hintergrund hierzulande alarmierend angestiegen. Mit 543 registrierten Straftaten im Jahr 2025 fand im Schnitt mehr als ein antisemitischer Angriff pro Tag statt. Die antisemitischen Vorfälle und Übergriffe unterhalb der Strafbarkeitsschwelle haben sich von 761 (2023) auf 1.551 (2025) verdoppelt. Diese Entwicklungen zeugen von einem sehr beunruhigenden Trend.

Wir, die bayerischen Bezirke und der Bayerische Bezirketag, wenden uns gegen jede Form von Diskriminierung und Gewalt gegen jüdische Menschen und gegen antisemitisch motivierte Angriffe auf Einrichtungen. Um jüdisches Leben und den Erhalt von Kulturgut in Bayern weiterhin zu unterstützen und auch für die kommenden Generationen zu bewahren, wollen wir auch aus der Verantwortung vor unserer Geschichte klar Position beziehen und dem Antisemitismus eine Absage erteilen, indem wir uns für folgende Punkte deutlich aussprechen:
  • Jüdisches Leben wird in den bayerischen Bezirken respektiert und geschützt.
  • Wir bekräftigen unsere Entscheidung aus dem Jahr 2019 und die Annahme der Definition des Begriffs „Antisemitismus“, wie von der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) definiert.
  • Jüdische Geschichte, Tradition und Bräuche sind ein fester und wichtiger Bestandteil Bayerns und all seiner Regionen. Sie gilt es dauerhaft zu schützen und zu bewahren.
  • Die Forschung zu jüdischer Kultur werden wir weiter vertiefen. 
  • Verknüpfungen mit Vereinen, Verbänden und sonstigen Institution, die jüdisches Leben fördern, entwickeln und schützen, werden wir weiter pflegen und vertiefen. Neue Allianzen werden wir, wenn dies zur Umsetzung dieser Resolution dienlich ist, eingehen.


Die Resolution wurde auf der Vollversammlung des Bayerischen Bezirketags am 2. Juli 2026 in Hohenschwangau verabschiedet.